#einfachmachen, Semantische Computer und Vorratsdaten – Tag 2 der #rp14

Tag 2 der größten Konferenz der Netzgemeinde in Deutschland beginnt für mich mit einer Sponsorensession: Microsoft hat zusammen mit dem Autor Marcus Albers Ende April ein Manifest zu den Veränderungen in der Arbeitswelt vorgestellt: “Ihr nennt es Arbeit – wir nennen es unser Leben.” Unter dem Stichwort #einfachmachen möchte der Softwarehersteller auf die neuen Ansprüche der Wissensarbeiter aufmerksam machen. In der Diskusssion auf der #rp14 – moderiert von Richard Gutjahr – kamen unter anderen der Blogger Markus Herrman zu Wort. Herrman verglich in der Diskussion das Arbeiten im Homeoffice mit dem Cabriofahren: ““Es ist schön dass man das Dach aufmachen kann, es aber auch zu lassen kann.” Im Gegensatz zur Initiative von Microsoft rudern andere Unternehmen wie Yahoo dagegen beim Stichwort “Homeoffice” zurück. Für Holger Haenecke – Personalchef bei McKinsey – ist die Begrifflichkeit eher “Personal Balance statt Work Life Balance, denn für viele ist Arbeit auch Teil des Lebens.”

Sascha Pallenberg holte Gutjahr in einer späteren Session dann zusammen mit Claudia Heydolph und Philip Banse auf die Bühne zur aktuellen Situation der Monetarisierung von Journalismus unter dem Titel “Lohnt sich Online Journalismus noch?“. Gutjahr beschrieb die Situation damit, dass “viele Blogs aus den Jahren 2003/2004 langsam die Luft ausgeht, da sie ihre Plattform nicht refinanzieren können.” Als Alternative stellt er zwei Thesen auf. Zum Einen: “Es muss einfach sein, zu bezahlen!” Und zum Zweiten: “Es muss ein nachvollziehbarer Preis sein.” Eine mögliche Lösung laut Gutjahr ist ein WordPress Plugin (Laterpay) welches die verwendten Geräte erkennt, einen getätigten Bezahlvorgang speichert und “später abrechnet”. Gutjahr hat damit einen Wert von 17€ pro tausend Views erreicht, was um ein vielfaches höher ist als normale Werbemodelle. Auch das Beteiligungsmodell von Flattr wurde angesprochen. Gutjahr ist allerdings auf Flattr schlecht zu sprechen: “Ich möchte keine Almosen oder Spenden, sondern wenn ich auf eigene Kosten nach Utah zur NSA-Zentrale fliege, dann möchte ich am Ende “richtiges” Geld verdienen können”. Andere Teilnehmer der Konferenz äußerten per Twitter Ihren Unmut, als sie von der Äußerung Gutjahrs erfuhren:

— Tim Pritlove (@timpritlove) 7. Mai 2014

 Während Richard Gutjahr eine der größten Bühnen auf der re:publica für seinen Vortrag bekam, mussten sich der Journalist Konrad Buck und der Technologie- und Strategieberater Stefan Holtel mit einer kleinen Stage begnügen. Dabei war ihr Thema nicht minder spannend bzw. sogar beängstigend. Der Titel der Session “Flüssige Demokratie durch die Hintertür? Wie «IBM Watson» Politik und Gesellschaft aufmischen könnte” machte sehr viele Teilnehmer neugierig; es brauchte aber fast die gesamte Session, bis Holten zum eigentlich Punkt kam, dass das Programm Watson – ein semantische Suchmaschine, oder auch “künstliche Intelligenz” genannt – durch seine Fähigkeiten der Echtzeitanalyse von gesprochener Sprache in folgenden drei Bereichen im politischen Umfeld einsetzbar ist und diese damit umkrempeln könnte: Zum einen der Einsatz als “Veto Machinen”, also noch während z.B. die Rede eines Politikers läuft, Fakten zu überprüfen bzw solche zu finden, die einer gemachten Aussage widersprechen. Eine weitere Anwendungsmöglichkeit ist laut Holtel auch ein “Wahl-O-Mator”, der Parteipositionen im Dialog mit dem Nutzer erklären kann. Oder als drittes im Bereich der permanenten Analyse von getätigten Grundsatzentscheidungen (Energiewende), ob diese immer noch die Rahmenbedingungen erfüllt bzw sich “noch trägt” Leider hat die Einführung in die Prinzipien der Wissensarbeit und der Geschichte hinter Watson (diese Programm gewann eine Ausgabe der Gameshow “Jeopardy”) so lange gedauert, dass für eine Diskussion der gesellschaftlichen Folgen eines durch natürliche Sprache lernenden und analysefähigem Computer keine Zeit mehr war. Holtel prognostizierte, dass die kommende technische Entwicklung es ermöglichen wird, dass in weniger als 10 Jahren “Watson” auf jedem Smartphone lauffähig sein wird.  

Kampf dem Zombi Vorratsdatenspeicherung  

Auf einer Konferenz mit netzpolitischem Ursprung darf natürlich eine Session zum Thema “Vorratsdatenspeicherung” nicht fehlen. Die beiden netzpolitik.org Autoren Anna Biselli und Andre Meister hatten – laut Titel – sowohl etwas für Anfänger als auch für Fortgeschrittene einiges dabei. So stellen sie anschaulich die Prinzipien und verwendten Daten einer anlasslosen Speicherung vor und erklärten den anwesenden Teilnehmern den Unterschied zwischen Bewegungs- und Bestandsdaten. Sie beschrieben anhand des deutschen Politikers Malte Spitz, wie verräterisch ein Handy sein kann. So sind im Laufe eines halben Jahres bei Spitz 35.000 Datensätze angefallen mit der fast jede Bewegung nachvollzogen werden konnte. Vor allem diese Bewegungsdaten – dazu gehören auch Kommunkationsprofile, also wer mit wem telefoniert –  sind im Fokus der Ermittlungsbehörden, da sie auch viel über die Vernetzung eines Menschen verraten. So wurden von Meister auch eine Software von IBM per Screenshot vorgestellt, welche zum Beispiel von der Polizei verwendet wird um die bei den Providern angefallenen Daten zu visualisieren. Den Umfang der schon jetzt von den Ermittlungsbehörden erhobenen Daten zeigte die Zahl der bei der Telekom angefragten Anschlußinhaber (IP-Adressen oder Mobilfunknummer): fast eine Million Datensätze! Bei ca. 30 Millionen Kunden der Telekom eine beängstigende Zahl. Biselli und Meister stellten zwar klar, dass die Gesetze zur Speicherung auf Vorrat derzeit aufgrund richterlicher Entscheidungen aufgehoben sind, aber sie setzen sich entschieden dafür ein, den “Zombie Vorratsdatenspeicherung auch weiter entschieden zu bekämpfen”.  

Digitale Agenda  

Am späten Nachmittag stellte sich Brigitte Zypries, die parlamentarische Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, den Fragen von Moderator und Journalist Volker Tripp, der als Jurist u.a. den Verein digitale Gesellschaft berät. Tripp kündigte zwei Themen an, über die er gerne sprechen wollte: Netzneutralität und das Handelsabkommen TTIP. Beim Thema Netzneutralität hat Brigitte Zypries ein klare Meinung, dass diese auf jeden Fall erhalten bleiben muß. Auch betonte Sie, dass der Vorschlag des EU-Parlamentes weit über die Definition der EU-Kommision hinausging und damit ein klares Signal für Netzneutralität sein. Laut Zypries kann es nicht sein, “wenn Du Geld hast, dann können wir Deine Daten schneller Transprotieren” – das würe ein zu hohe Markteintrittsbarriere z.B. für Startups sei. Auch ist es hier immer noch eine Frage der zur Verfügung stehenden Bandbreiten, aber diesen Task hat nun “der Kollege Dobrint, hier für Klarheit zu sorgen!”. Was aber für Deutschland gelte, müsse auch Europaweit vorangetrieben werden. Bei der Frage zum Freihandelsabkommen TTIP lasse ich am Besten @wdr_live mit einem kleinen Storifiy zu Wort kommen, die die Aussagen perfekt zusammengefasst haben: 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.